Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
„Saeculum“ von Ursula Poznanski (gerade gelesen), „Bitte zwei Mal Wolke 7“ von Jutta Wilke (gerade angefangen), „Das Magdalena-Evangelium“ von Kathleen Mc Gowan, Rainer Schumacher und Barbara Först (kommt als nächstes dran)
Print, Ebook, Hörbuch, wann greifen Sie auf welches Medium zurück und warum?
Am liebsten lese ich in gedruckten Büchern, die noch neu sind, weil sie so gut riechen und ich die noch ganz unberührten Seiten liebe. Auch Bücher, die schon von vielen gelesen wurden, sind interessant; die haben einen ganz anderen Geruch, der nicht immer angenehm ist, aber eine heimliche Verbindung zu denjenigen herstellt, die vorher eben dieses Buch gelesen haben. Wie in einem geheimen Bund
. Ein Ebook-Lesegerät habe ich mir neulich zugelegt und Eva Baronskys „Herr Mozart wacht auf“ darauf gelesen. Es ist praktisch für unterwegs, aber es vermittelt weniger „haptische“ Emotion als ein klassisches Buch. Es geht ein wenig Nostalgie verloren, wenn man nur noch am Bildschirm liest, und das mache ich ja auch schon den lieben langen Tag beim Schreiben, Recherchieren und Überarbeiten. Ich möchte den Kindle aber nicht mehr missen und werde ihn für meinen nächsten Urlaub mit der richtigen Literatur vollladen. Hörbuch finde ich toll für lange Reisen. Ganz besonders mag ich z.B. Harry Potter, gelesen von Rufus Beck. Leider fahre ich meist nur kürzere Strecken, also ist Hörbuchhören eher ein seltenes Vergnügen.
Welchem aktuellen Kinder- oder Jugendbuch wünschen Sie ganz viele Leser?
Keine Frage: „Saeculum“ von Ursula Poznanski. Ich gehe davon aus, dass sich der Erfolg für dieses Buch von alleine einstellt, weil die Leser Ursula Poznanski bereits von EREBOS kennen und weil Saeculum erfüllt, was man sich erhofft. Es ist toll geschrieben, und die Geschichte ist spannend und originell.
Soll ich mich wirklich auf ein einziges Buch beschränken? Nun gut …
Trilogien und Serien beherrschen den Kinder- und Jugendbuchmarkt, kommen die Einzelwerke zu kurz?
Ehrlich gesagt, habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Woher kommt dieses Phänomen? Vielleicht daher, dass Verlage sich von einem ersten Band, wenn er gut läuft, eine einigermaßen sichere Nachfrage für weitere Titel mit denselben Helden versprechen?
Ob Einzeltitel zu kurz kommen, ist schwer zu sagen. Eher ist zu fragen, ob man ihnen die zeitliche Chance gibt, sich überhaupt zu behaupten. Vielleicht sind es aber auch die Leser, die Nachschub fordern, wenn sie sich mit einem Protagonisten besonders gut identifizieren können. (Oder ist das nur eine Vermutung der Verlage?)
Ich fände es gut, wenn beides gleichberechtigt nebeneinander existieren könnte. Manche Geschichten sind einfach in einem Buch zu Ende erzählt, und daraus mehr zu machen, tut weder der Geschichte gut noch der Autorin, noch den Lesern.
Fantasy, Krimi, Echtes Leben etc., welches Genre sollte Ihrer Meinung nach in der Kinder- und Jugendliteratur mehr Raum erhalten?
Meiner Ansicht nach hat jedes Genre seinen Platz in der Kinder- und Jugendliteratur. Schade finde ich, wenn originelle Vorschläge guter AutorInnen nicht angenommen werden, weil man sich nicht auf „neues Gebiet“ wagt (ungewöhnliche, schwierige oder skurrile Themen; „freche“ Formulierungen, ungewöhnliche Charaktere). Ein wenig mehr Mut in der Freiheit der Formulierung, ein bisschen mehr Vertrauen in uns AutorInnen würde ich mir wünschen. Schließlich schreiben wir ja ganz gezielt für unsere kindlichen und jugendlichen LeserInnen, also tun wir nichts, wovon wir annehmen, dass wir ihnen schaden könnten.
Gut erzählte Kinder- und Jugendgeschichten berühren die Seele, das ist das Geheimnis. Ob sie in einer erfundenen oder in einer realen Welt spielen, ist da völlig gleichgültig.
Mo aus dem Buch Tintenherz konnte Personen aus Geschichten heraus in die wirkliche Welt lesen, gleichzeitig verschwanden aber auch Menschen in der Geschichte. In welches Buch dürfte er Sie gerne mal hineinlesen?
„Herr der Ringe“
Jede Menge Superhelden im Kinderbuch, welche „Superkraft“ würden Sie gerne besitzen?
Natürlich eine, die mir sämtliche Hausarbeit vom Halse hält. Und dann vielleicht einen magischen Stift (bzw. eine magische Tastatur), der (die) meine Manuskripte in allen Verlagen auf den ersten Blick wahrnehmbar macht.
Jemand schenkt Ihnen ein ganzes Jahr, was werden Sie mit der gewonnenen Zeit tun?
Schreiben, schreiben, schreiben. Und lesen.
Bestsellerautor, Kinderbuchheld, Politiker, Musiker, wer oder was wären Sie gern für einen Tag?
Musiker. Ich liebe Musik und singe gerne, auch im Chor. Aber ich wünschte mir, dass ich komponieren und viele Instrumente spielen könnte, außerdem wäre ich gerne mutig genug, um solo zu singen
. Vorausgesetzt, die Stimme reichte dafür aus …
Bitte beenden Sie diesen Satz: Es war einmal …
… ein Junge, der mit seiner Familie in eine neue Stadt ziehen musste. Ihm war von Anfang an klar, dass das schwierig werden würde, denn er hatte lange gebraucht, um sich dort, wo er vorher lebte, einzugewöhnen, Freunde zu finden und die Monster zu vertreiben, die ihm das Leben schwer machten, wenn er nicht achtgab.
Am ersten Schultag schien sich seine Angst zu bestätigen: Schon auf dem Weg konnte er aus dem Auto heraus die ersten Monster sehen. Sie standen beieinander und schienen über ihn zu tuscheln. Vielleicht planten sie gemeine Sachen, die sie mit ihm machen wollten? Der Junge wollte nicht aussteigen, als sein Vater ihm die Tür aufhielt. „Was ist denn los, Mark?“ „Nimm mich wieder mit, Paps, ich kann nicht in diese Schule gehen.“ Sein Vater überredete ihn aber mit geduldigen Worten, dass er einfach den Schritt wagen müsse. Er sah auch keine der Monster, von denen sein Sohn sprach.
Mark versteckte sich auf der Toilette, bis es zur ersten Stunde klingelte und die Gänge sich nach und nach leerten. Erst dann schlich er sich zu dem neuen Klassensaal hoch. Zaghaft klopfte er an die Tür, doch niemand rief ihn herein. Er hob gerade die Hand, um ein zweites Mal zu klopfen, da hörte er ein Schnauben und ein Scharren. Langsam drehte er sich in die Richtung, aus der die Geräusche kamen. Ein Monster?
Es schob sich den Gang entlang auf ihn zu, hinkte wie der Glöckner von Notre Dame, trug riesige Hörner, seine Augen glühten wie Holzscheite im Kamin, und es schien ständig bedrohlich zu stöhnen. Zitternd drückte Mark sich an die Klassentür, und nur sehr langsam erkannte er, dass da ein Junge auf ihn zukam, der voll beladen war mit Gegenständen, die man zum Theaterspielen benutzen konnte. Außerdem zog er einen schweren Sack hinter sich her. Deshalb konnte er nicht aufrecht gehen.
„Kann ich dir helfen?“, fragte Mark und lief auf den Anderen zu. Ein fröhliches Grinsen mit einer riesigen Zahnlücke strahlte ihm entgegen, und der Rotschopf nickte dankbar. Er lud Mark die Kiste auf, aus der ein Elchgeweih ragte, und sagte: „Uff, danke!“ Und dann: „Na, hast du Lust, mit uns eine Monstergeschichte zu spielen?“ Und puff, war Marks Angst verschwunden.
Wo kann man Sie im Netz finden?
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Langenscheidt
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